Ausbildung PP Ausbildungsordnung

Ausbildung Psychologischer Psychotherapeut (PP)

Ausbildung Psychologischer Psychotherapeut (PP) –  Ausbildungsordnung

Die Ausbildung wird auf der Grundlage des Psychotherapeutengesetzes sowie der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für Psychologische Psychotherapeuten ( PsychTh-APrV ) *1 unter Berücksichtigung der Neufassung der Psychotherapie-Richtlinien des Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen *2 durchgeführt.

*1 vgl. Bundesgesetzblatt Jg. 1998, Teil 1, Nr. 83, S. 3749 – 3760
*2 vgl. Deutsches Ärzteblatt 95, Heft 51- 52, 21. Dez. 98

 

 

Ziel und Gliederung

Ziel der Ausbildung am AFKV GmbH ist die Qualifikation zur Ausübung heilkundlicher Psychotherapie, die zur staatlichen Approbation als Psychologischer Psychotherapeut führt.

Die Ausbildung erfolgt auf der Grundlage von Ausbildungsplänen, die vom Landesprüfungsamt für Medizin, Psychotherapie und Pharmazie genehmigt sind, und erstreckt sich auf die Vermittlung von eingehenden Grundkenntnissen in wissenschaftlich anerkannten psychotherapeutischen Verfahren sowie auf eine vertiefte Ausbildung im Bereich der Verhaltenstherapie. Sie wird auf der Grundlage des wissenschaftlichen Erkenntnisstandes praxisnah und patientenbezogen durchgeführt.

In der Ausbildung werden die Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten vermittelt, die erforderlich sind, um eigenverantwortlich und selbständig Psychotherapie durchführen zu können und zwar

  • in Diagnostik, Therapie und Rehabilitation von Störungen mit Krankheitswert und
  • bei Vorliegen von psychischen Störungen, Begleiterscheinungen und Folgen von körperlichen Erkrankungen unter Berücksichtigung der ärztlich erhobenen Befunde.

Dabei stellen die wissenschaftlichen, geistigen und ethischen Grundlagen die Basis des Handelns dar.

Die Ausbildung umfasst mindestens 4200 Stunden und besteht aus der/ den

  1. praktischen Tätigkeit
  2. theoretischen Ausbildung
  3. praktischen Ausbildung mit Krankenbehandlungen unter Supervision
  4. Selbsterfahrung, welche die Ausbildungsteilnehmer zur Reflexion des eigenen therapeutischen Handelns befähigt und
  5. erforderlichen Stunden zum Zwecke des Selbststudiums

Sie führt zur Approbation nach Bestehen der staatlichen Prüfung.

Die regelmäßige und erfolgreiche Teilnahme an den Ausbildungsveranstaltungen ist durch eine Bescheinigung nachzuweisen.

 

Praktische Tätigkeit

Die praktische Tätigkeit dient dem Erwerb praktischer Erfahrungen in der Behandlung von Störungen mit Krankheitswert im Sinne des § 1 Abs. 3 Satz 1 des Psychotherapeutengesetzes sowie von Kenntnissen anderer Störungen, bei denen Psychotherapie nicht indiziert ist. Sie steht unter fachkundiger Anleitung und Aufsicht.

Die praktische Tätigkeit umfasst mindestens 1800 Stunden und ist in Abschnitten von jeweils mindestens drei Monaten abzuleisten. Hiervon sind zu erbringen:

  1. mindestens 1200 Stunden an einer psychiatrischen klinischen Einrichtung, die im Sinne des ärztlichen Weiterbildungsrechtes zur Weiterbildung für Psychiatrie und Psychotherapie zugelassen ist oder die von der nach § 10 Abs. 4 Psychotherapeutengesetz zuständigen Behörde als gleichwertige Einrichtung zugelassen wird und
  2. mindestens 600 Stunden an einer von einem Sozialversicherungsträger anerkannten Einrichtung der psychotherapeutischen oder psychosomatischen Versorgung, in der Praxis eines Arztes mit einer ärztlichen Weiterbildung in der Psychotherapie oder eines Psychologischen Psychotherapeuten

Alle Einrichtungen müssen vom Landesprüfungsamt für Medizin, Psychotherapie und Pharmazie (LPA) als Kooperationseinrichtungen des Instituts anerkannt sein. Ein Beginn der praktischen Tätigkeit in einer Einrichtung vor der schriftlichen Anerkennung des LPA ist nicht möglich.

Während der praktischen Tätigkeit in der psychiatrischen klinischen Einrichtung hat der Ausbildungsteilnehmer jeweils über einen längeren Zeitraum an der Diagnostik und der Behandlung von mindestens 30 Patienten teilzunehmen. Bei mindestens vier dieser Patienten müssen die Familie oder andere Sozialpartner des Patienten in das Behandlungskonzept einbezogen sein. Der Ausbildungsteilnehmer hat dabei entsprechende Kenntnisse und Erfahrungen zu erwerben sowie die Patientenbehandlungen fallbezogen und unter Angabe von Umfang und Dauer zu dokumentieren.

Theoretische Ausbildung

Die theoretische Ausbildung umfasst mindestens 600 Stunden. Sie erstreckt sich auf die zu vermittelnden Grundkenntnisse (200 Stdn) und im Rahmen der vertieften Ausbildung (400 Stdn.) auf Spezialkenntnisse in einem wissenschaftlich anerkannten psychotherapeutischen Verfahren ( Verhaltenstherapie ).

Sie findet in Form von Vorlesungen, Seminaren und praktischen Übungen statt.

Praktische Ausbildung

Die praktische Ausbildung ist Teil der vertieften Ausbildung in einem wissenschaftlich anerkannten psychotherapeutischen Verfahren und dient dem Erwerb sowie der Vertiefung von Kenntnissen und praktischen Konzepten bei der Behandlung von Patienten mit Störungen mit Krankheitswert nach § 1 Abs. 3 Satz 1 des Psychotherapeutengesetzes. Sie umfaßt mindestens 600 Behandlungsstunden unter Supervision mit mindestens sechs Patientenbehandlungen sowie mindestens 150 Supervisionsstunden. Von den Supervisionsstunden sind mindestens 50 Stunden in Einzelsupervision und mindestens 100 Stunden in Gruppensupervision durchzuführen. Die genannten Supervisionsstunden sind bei mindestens drei Supervisoren des Institutes abzuleisten. Bei Gruppensupervisionen soll die Gruppe aus vier Teilnehmern bestehen.
Die Verteilung auf die drei vorgeschriebenen Supervisoren erfolgt durch das Institut. Bei jedem Supervisor müssen jeweils 200 Behandlungsstunden supervidiert werden. Werden mehr als 200 Stunden bei einem Supervisor supervidiert, werden diese nicht auf das Gesamtkontingent angerechnet. Prinzipiell müssen 25 Stunden Einzelsupervision abgeleistet werden als Voraussetzung für die Teilnahme an der 1. Gruppensupervision.

Während der praktischen Ausbildung hat der Ausbildungsteilnehmer mindestens sechs anonymisierte schriftliche Falldarstellungen über eigene Patientenbehandlungen, die unter Supervision stattgefunden haben, zu erstellen. Die Falldarstellungen haben die wissenschaftlichen Erkenntnisse zu berücksichtigen, die Diagnostik, Indikationsstellung und eine Evaluation der Therapieergebnisse mit einzuschließen, ein ätiologisch orientiertes Krankheitsverständnis nachzuweisen sowie den Behandlungsverlauf und die Behandlungstechnik in Verbindung mit der Theorie darzustellen. Die Falldarstellungen sind dem Ausbildungsausschuss zur Beurteilung vorzulegen.

Selbsterfahrung

Die Selbsterfahrung umfasst mindestens 120 Stunden Gruppenselbsterfahrung und 10 Stunden Einzelselbsterfahrung. Gegenstand der Selbsterfahrung sind Reflexion und Modifikation persönlicher Voraussetzungen für das therapeutische Erleben und Handeln unter Einbeziehung der Lerngeschichte und der persönlichen Entwicklung im Ausbildungsverlauf.

Die Selbsterfahrung wird von Selbsterfahrungsleitern durchgeführt, die als Supervisoren seitens der Ausbildungsstätte anerkannt sind. Die Ausbildungsteilnehmer dürfen zu den Selbsterfahrungsleitern nicht in einem verwandtschaftlichen, wirtschaftlichen oder dienstlichen Abhängigkeitsverhältnis stehen.

Unterbrechung der Ausbildung, Anrechnung anderer Ausbildungen

Auf die Dauer der Ausbildung werden angerechnet

  1. eine ausbildungsfreie Zeit von bis zu sechs Wochen jährlich und
  2. Unterbrechungen durch Krankheit oder aus anderen vom Ausbildungsteilnehmer nicht zu vertretenden Gründen, bei Ausbildungsteilnehmerinnen auch Unterbrechungen durch Schwangerschaft, bis zu höchstens vier Wochen je Ausbildungsjahr.

Die zuständige Behörde kann auf Antrag auch darüber hinausgehende Fehlzeiten berücksichtigen, soweit eine besondere Härte vorliegt und das Erreichen des Ausbildungszieles durch die Anrechnung nicht gefährdet wird.

Sollen Vorleistungen aus einer anderen Ausbildung angerechnet werden und die Ausbildung beim AFKV deshalb entsprechend reduziert werden, hat der Ausbildungsteilnehmer vor Beginn der Ausbildung einen Antrag auf Anerkennung der Gleichwertigkeit dieser Leistungen beim Landesprüfungsamt zu stellen. Die Festlegung der neuen Dauer und Inhalte der weiteren Ausbildung erfolgt dann durch das Landesprüfungsamt.

Die Ausbildung schließt mit der staatlichen Prüfung ab.
Der Ausbildungsausschuss prüft die vorgelegten Ausbildungsnachweise und berät die Ausbildungsteilnehmer in Fragen zur staatlichen Prüfung.

Verfahren für einen Ausschluss aus fachlichen Gründen

In besonderen Einzelfällen kann der Ausbildungsausschuss des AFKV den Ausschluss eines Ausbildungsteilnehmers von der weiteren Ausbildung veranlassen. Dies ist bei Vorliegen z.B. einer oder mehrerer der folgenden Voraussetzungen möglich:

  • Verstöße gegen die Ausbildungsordnung (wie z.B. wiederholtes Versäumen von Seminaren oder anderen Ausbildungsteilen, Verstöße gegen die Schweigepflicht, das zweite Ablehnen eines Praktikumsplatzes u.a.).
  • Fehlende fachliche Qualifikation und/ oder mangelnde Eignung für den Beruf, nachgewiesen z.B. durch das Nichtbefolgen von Hinweisen oder Auflagen eines Supervisors, des Selbsterfahrungsleiters oder des Ausbildungsleiters oder durch störendes oder unkollegiales Verhalten in der Ausbildungsgruppe.

Vor dem Ausschluss hat zunächst eine Abmahnung durch den Ausbildungsausschuss zu erfolgen, verbunden mit befristeten Auflagen zur Beseitigung des aufgezeigten Mangels. Dem Ausbildungsteilnehmer ist Gelegenheit zur persönlichen Stellungnahme zu geben.